Herz an Verstand

Wie wichtig ist die Vergangenheit eines Menschen?

Anni ist bei Freunden und Familie für ihr großes Herz bekannt. Gerade diese Eigenschaft wird ihr zum Verhängnis, als ihre langjährige Beziehung in einem traumatischen Erlebnis endet. Anni fühlt sich verloren, verraten, und sie schämt sich. Genau in diesem Moment tritt Felix in ihr Leben: direkt, einfühlsam und auch noch ziemlich attraktiv. Er hilft ihr, den ersten Schrecken zu überwinden. Weil er sie versteht wie niemand sonst. Denn Felix hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Aber wie weit die Schatten seiner Vergangenheit reichen, erfährt Anni erst nach und nach. Und trotzdem wünscht sie sich nichts sehnlicher, als den Sturm in seinen Augen zu ergründen. Anni ist felsenfest davon überzeugt, dass nur das „Hier und Jetzt“ zählt. Aber das „Gestern“ holt sie dennoch ein, und je tiefer sie in Felix‘ Geschichte eintaucht, desto mehr liegen ihr Herz und ihr Verstand miteinander im Clinch. Kann Anni Felix mitsamt seinen Altlasten akzeptieren, oder steht die Vergangenheit einer gemeinsamen Zukunft im Weg?

Eine Geschichte über die große Liebe, aber auch über die Magie von Freundschaft und die spannende Frage: Wer hat am Ende Recht – Herz oder Verstand?


Auszug KAPITEL 1

Ich wollte ihn nie wieder sehen. Ihm nie wieder die Macht geben mich zu verletzen. Mich anzufassen. Mir nahe zu sein. Und ich hatte Angst. Ich hatte tatsächlich Angst vor ihm. Vor dem Menschen, mit dem ich drei Jahre meines Lebens verbracht hatte. Mit dem ich alles geteilt hatte. Den ich geliebt hatte.

Ich hätte niemals gedacht, dass mir einmal so etwas passieren könnte. Niemals. Wie oft hatte ich am TV-Bildschirm mit anderen mitgelitten, bei solchen Geschichten. Aber niemals wäre es mir in den Sinn gekommen, einmal an dem gleichen Punkt zu stehen. An ihrer Stelle zu sein. Aber es war passiert. Diese eine Sache war nun ein unauslöschlicher Punkt in meiner Lebensgeschichte. Ein hässlicher Fleck, den man nicht einfach so wegwischen konnte. Ein schwarzes Loch. Im Moment ein noch nicht all zu großes. Und ich würde dafür sorgen, dass das auch so blieb.

Ich zerrte meinen Trolley über das Hamburger Kopfsteinpflaster. Aber ich kämpfte nicht nur mit dem unebenen Boden, sondern auch in mir selbst tobte ein Kampf.

Warum nur habe ich es so weit kommen lassen? Es hat Anzeichen gegeben. Unbestreitbar. Und ich habe sie alle ignoriert. Die Reißleine hätte ich viel früher ziehen müssen.

Ich beschleunigte meine Schritte. Eine irrationale Angst trieb mich voran. Ich sah mich hektisch um, ob mir auch niemand folgte. Ob er mir nicht folgte. Ich hatte extra meinen Zug umgebucht. Eigentlich wäre ich erst gegen 15 Uhr zurückgefahren. Aber nachdem gestern meine Welt ins Wanken geraten war, hatte ich noch in der Nacht, vom Hotel aus, ein Ticket für die Bahn um 8.02 Uhr gekauft. Ich wollte nur noch weg. Und ich wollte ihm nicht die Chance geben, mich zu finden. Mich im schlimmsten Fall am Bahnhof abzupassen. Tränen sammelten sich in meinen Augen. Noch mehr Tränen. Noch mehr Traurigkeit. Sie überwältigte mich erneut. Unvermittelt. War plötzlich da, wie eine Sturmflut und umspülte meinen ganzen Körper. Ich blieb stehen. Atmete tief durch. Versuchte, mich zu fangen und wieder Herr meiner Gefühle zu werden. Aber wie sollte das gehen? Mein Leben hatte plötzlich dieses schwarze Loch. Diese hässliche angesengte Stelle.

Mit fahrigen Bewegungen wischte ich mir die Tränen aus dem Gesicht und kramte eine Sonnenbrille aus meiner Handtasche. Ich tauschte sie gegen meine Sehbrille. Es war mir unangenehm, mitten in der Öffentlichkeit von meinen Emotionen überwältigt zu werden. Ich dachte, das Schlimmste läge hinter mir. Aber ich hatte mich wohl schon wieder getäuscht.

Ein Blick auf meine Armbanduhr verriet mir, dass ich nicht mehr allzu viel Zeit hatte. Ich hätte mir doch ein Taxi nehmen sollen. Ich atmete noch einmal tief ein und aus. Versuchte meine Gedanken abzuschütteln, die nicht aufhörten, um die Geschehnisse des gestrigen Abends zu kreisen. Sein Gesicht. Seine Augen. Seine Wut.

Energisch packte ich meinen Koffer und bewegte mich strammen Schrittes auf das Bahnhofsgebäude zu. Trotz der frühen Uhrzeit herrschte hier geschäftige Betriebsamkeit. Es wurde umarmt, geherzt, geküsst, verabschiedet und begrüßt. Ein ganz normaler Tag für so viele Menschen. Nur nicht für mich. Auf der Informationstafel überprüfte ich noch einmal das Gleis. Es hatte sich nicht verändert. Ich nahm die Rolltreppe, die zum Bahnsteig führte. Der ICE stand schon bereit. In meinem Handy suchte ich nach der Wagennummer.

Ich reserviere immer einen Sitzplatz, nachdem ich einmal die Reise von Hamburg nach München auf dem Gang und im Bordbistro verbringen musste. Gestern waren nicht mehr viele Plätze frei gewesen und ich hatte leider keinen Sitz mit Tisch ergattern können. Dazu war es auch noch ein Fensterplatz. Wenn jemand neben mir sitzt, den ich nicht kenne, ist mir der Platz am Gang deutlich lieber. Ich habe eine typische Mädchenblase und will nicht ständig meinen Nachbarn bitten müssen, mich rauszulassen – was noch unangenehmer ist, wenn die Person schläft. Aber das sollte heute wirklich meine geringste Sorge sein. Ich wollte einfach nur so schnell wie möglich weg von hier. Weg von ihm.

Ich verstaute meinen Koffer in der Gepäckablage über den Sitzen. Er war klein, handlich und nicht besonders schwer. Ich war nur übers Wochenende in Hamburg gewesen. Wie so oft in den letzten zwei Jahren. Aber dies war wohl erst einmal meine letzte Reise hierher gewesen – für lange Zeit.


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