Warum ausgerechnet Liebesromane?

Tja, ich schreibe also Liebesromane. Und tatsächlich hat man da mit einigen Vorurteilen zu kämpfen. Das fällt mir vor allem auf, wenn ich mit Mensch spreche, die mich nicht gut kennen und die mich dann fragen, was ich beruflich so mache. Ich antworte daraufhin, dass ich unter anderem Bücher schreibe. Das finden die meisten sehr interessant und sind oft erstaunlich begeistert. Manchmal ist mir das sogar ein bisschen unheimlich. Die einen backen Torten und die anderen schreiben eben Bücher. Jeder hat sein Talent. Aber ich werde sowieso recht schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Nämlich dann, wenn die Frage gestellt wird: welches Genre?

Einen Liebesroman zu schreiben ist angeblich einfach

Regelmäßig versuche ich, mich dagegen zu wappnen und trotzdem versetzt es mir meistens einen kleinen Stich. Denn sobald ich eröffne, dass ich Liebesromane verfasse, ist jegliche Wertschätzung dahin. „Ach so, Liebesromane“, heißt es dann. Oder auch etwas direkter: „Ach, Schnulzen schreibst du.“ Diese freundlichen Menschen geben mir unmissverständlich zu verstehen, dass einen Liebesroman zu texten, ja nicht wirklich eine Leistung wäre. Hätte ich „Krimi“ oder „Thriller“ gesagt, wäre ich deutlich in ihrer Achtung gestiegen. Aber es sind ja „nur“ Liebesromane. Meistens lächle ich darüber hinweg. Ich habe nicht den Drang, mich zu rechtfertigen und eine Diskussion vom Zaun zu brechen. Viele wissen es einfach nicht besser. Das Genre „Liebesroman“ ist so breit aufgestellt, wie kaum ein anderes. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Nur das Prädikat „literarisch wertvoll“ traut man einer Liebesschnulze nicht zu. Obwohl es eine Menge Romane in dieser Gattung gibt, die mitnichten kitschig oder flach sind. Von seichter Romantik bis zu tiefgründigen Emotionen ist alles vertreten. Und dabei ist nichts schlecht oder wertlos. Was immer einem anderen Menschen Freude schenkt, ihn aus seinem Alltag entführt und ihm eine gute Zeit verschafft, hat seine Berechtigung. Ist das nicht auch literarisch wertvoll?

Liebe ist das schönste Gefühl der Welt – nur in Büchern hat sie einen schlechten Ruf

Und es existiert noch ein wichtiger Punkt: Was wäre das Leben ohne die Liebe? Für mich persönlich ist sie das wichtigste und schönste Gefühl auf dieser Erde. Denn ohne Liebe kann kein Mensch leben. Egal ob es die Liebe zu sich selbst, zu anderen, von anderen, zu Gott oder zu etwas Anderem ist – Liebe ist das, wonach wir uns innerlich doch alle sehnen. Weil es menschlich ist. Warum also haben Liebesromane einen so desolaten Ruf? Ich fürchte, Groschenromane und Rosamunde-Pilcher-Filme haben ganze Arbeit geleistet und einige denken wohl, alle Liebesgeschichten müssten so sein. Mal ganz unter uns: Rosamunde Pilcher konnte absolut nichts dafür, denn ihre Romane haben mit den oftmals schlecht inszenierten Filmen nicht viel zu tun. Danke also ans ZDF. Der Bildungsauftrag ist hier wohl in die Hose gegangen – denn Liebesromane können deutlich mehr.

Auch Liebesromanleser kämpfen mit Vorurteilen

Aber nicht nur als Autorin hat man mit diesen Vorurteilen zu kämpfen. Auch Leser trauen sich manchmal nicht, zu ihren Vorlieben zu stehen. Als ich anfing, Liebesromane zu schreiben, sprach ich mit einer Freundin darüber. Sie versicherte mir, das wäre nicht wirklich ihr Genre. Ein paar Wochen später, hatte sie ihr Bücherregal aussortiert und dann etwas kleinlaut eingestanden, dass da doch recht viele dieser Schmöker, die sie eigentlich gar nicht liest, zu Tage kamen. Bezeichnend ist auch der Spruch, den ich häufig höre: „Das ist was Leichtes, was ich zwischendurch mal so lese.“ Dabei schwingt immer mit, dass diejenige ansonsten „echte“ Literatur bevorzugt.

Darum schreibe ich Liebesromane

Und sogar meine Mama schleuderte mir ein „Schon wieder ein Liebesroman“, entgegen, als ich ihr von meinem zweiten Buch erzählte. Aber so ist es nun mal. Ich verfasse Liebesromane. Weil ich selbst auch gerne welche lese. Weil ich finde, dass Liebe im Leben essentiell ist. Weil es genug Gräuel auf der Welt gibt, darüber muss ich persönlich nicht auch noch schreiben. Weil ich Menschen gerne auf eine emotionale Reise schicke. Weil ich gerne tiefgründig texte und wichtige Themen anspreche und weil ich glaube, dass das auch im Genre Liebesroman funktioniert.

Romance: Der Liebesroman im Imagewandel

Glücklicherweise spüre ich aber, dass ein leichtes Umdenken stattfindet. Die moderne Form des Liebesromans heißt jetzt „Romance“. Ein neuer Name, um den Altlasten zu entkommen. Klingt irgendwie cooler. Auch wenn das Wort leider schon wieder ein Anglizismus ist. Ja ich weiß, das lässt sich nicht ändern. Globalisierung und so. Aber als Autorin, die auf Deutsch textet, wollte ich es trotzdem nicht unerwähnt lassen. Bin halt altmodisch, äh, ich meinte natürlich oldschool. Ich schreibe ja schließlich Liebesromane. Da gehört das wohl mit dazu. Aber Scherz beiseite: Ich finde es gar nicht schlecht, dass es diese neue Bezeichnung gibt. Der Liebesroman muss wohl einen Imagewandel vollziehen, um wieder besser anerkannt zu werden. Da sind mir auch Anglizismen recht. Apropos: New Adult und Young Adult sind ebenfalls nichts anderes als Liebesromane, nur eben für jüngere Zielgruppen.

Wer Liebesromane schreibt, muss erst mal mit den ganzen Gefühlen klarkommen

Und für alle da draußen, die denken, es wäre so wahnsinnig leicht, eine Liebesgeschichte zu verfassen: Es stecken genauso viele Überlegungen dahinter, wie bei einem Krimi. Nur geht es nicht darum, wer wie stirbt, sondern wer wie lebt. Denn lieben bedeutet leben. Und das ist Krimi genug. Und sich durch die Gefühle seiner Protagonisten zu kämpfen, jeden Schmerz und Liebeskummer durchzuspielen, um ihn authentisch aufs Papier zu bringen – das ist zumindest für mich eine große Herausforderung.

Wer weiß, vielleicht werde ich auch mal etwas Anderes schreiben. Ich verehre Agatha Christie, ich verschlinge alle Geschichten aus Mittelerde und ich versinke im Schatten des Windes. Es gibt so viele tolle Genres. Aber im Moment schreibe ich ausgerechnet Liebesromane. Weil ich es liebe. Punkt.

Die Magie von Neuanfängen

Ich liebe den Spruch „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ von Hermann Hesse. Denn ich denke, dass er nicht nur wahr, sondern auch sehr weise ist. Er fasst diese Energie in Worte, die entsteht, wenn man etwas Neues beginnt. Man begibt sich auf ungewohntes Terrain. Es ist aufregend. Manchmal beängstigend. Und es ist erstaunlich, welche Kraft man dabei entwickeln kann. Welchen Schub man bekommt, wenn man etwas Neues anpackt.

Genauso habe ich mich gefühlt, als ich im März dieses Jahres begonnen habe mein erstes Buch zu schreiben. Es war unglaublich und es war bezaubernd. Manchmal sah ich mir wie ein außenstehender Betrachter selbst dabei zu, wie meine Gedanken über meine Hände in den Computer flossen. Und völlig unabhängig vom Ergebnis, war es für mich faszinierend zu beobachten, wie wohl ich mich dabei fühlte. Wie richtig es mir vorkam. Und wie natürlich.

Darauf zu warten, wie das Buch ankommt, ist schwer zu ertragen

Jetzt – ein halbes Jahr später – ist es endlich soweit. Ich habe das Buch herausgebracht. Alle Welt kann es sehen. Tut sie natürlich nicht. Ich meine ja nur – rein hypothetisch könnten alle es sehen. Es ist eben öffentlich. So, das war jetzt das richtige Wort. Das ist auf der einen Seite ein wunderbares Gefühl. Aber auf der anderen Seite ist es auch erschreckend. Es macht mich verletzbar. Es ist zwar nicht autobiographisch, aber trotzdem, diese Arbeit bin ich. Und gerade diese aktuelle Situation, in der ich noch nicht abschätzen kann, wie STERNENVOLL bei euch ankommt, ist schwer auszuhalten.

Ja, es gab Testleser. Ja, sie fanden es gut. Manche waren sogar begeistert. Kritik war natürlich auch dabei. Aber sie alle kannten mich. Und obwohl ich weiß, dass ich mitunter die ehrlichsten Freunde auf dem Planeten habe, gibt es da doch trotzdem immer diesen Sympathiebonus und mag er noch so winzig sein. Zumindest wenn man annimmt, dass mich meine Freunde sympathisch finden. Und von dieser Annahme würde ich vermessener Weise jetzt einmal ausgehen.  

In mir brodelt ein Vulkan

Wie ihr also schon bemerkt habt, bin ich Welten davon entfernt, lässig und entspannt abzuwarten, wie sich die Rückmeldungen zu STERNENVOLL entwickeln. Und das hat nichts damit zu tun, dass ich nicht voll hinter meiner Arbeit stehe und zufrieden damit bin. Das Schreiben, genauso wie das Filmemachen auch, ist immer Sache des Geschmacks. Natürlich wäre ich auch noch zufrieden damit, wenn das Buch nur 10 Menschen toll finden würden und alle anderen nicht. Aber meine Intention geht definitiv über das Schreiben an und für sich hinaus. Das heißt, ich finde es wunderbar, mir die Geschichte auszudenken, die Figuren zu entwickeln und sie durch Höhen und Tiefen wandern zu lassen. Aber ich möchte damit auch andere Menschen unterhalten und berühren.

Das war schon in meinen früheren Jobs der Fall, sowohl als Schauwerbegestalterin, als auch als Filmredakteurin. Bei Filmen allerdings ist es von Anfang an eine ganz andere Sache. Da arbeitest du immer im Team. Du bist nie alleine. Ich war zwar für das Endprodukt verantwortlich, aber auf dem Weg dorthin hatte ich immer Unterstützung und Rückmeldung. Das habe ich beim Buchschreiben anders empfunden. Ich habe eine ganze Weile an STERNENVOLL gearbeitet, bevor jemand auch nur die erste Zeile zu lesen bekommen hat. In diesem Fall mein Mann. Und es war eine echte Zitterpartie darauf zu warten, was er dazu sagt. Also nicht zu der ersten Zeile, sondern zu dem kompletten ersten Entwurf. Ich hatte Glück. Er hat mich bestärkt weiterzumachen. Und hier bin ich jetzt. Unruhig abwartend. Auch wenn man es mir äußerlich oft nicht ansieht. Aber innerlich brodelt ein Vulkan, den ich aktuell nur mühsam unter Verschluss halte. Ich will ja schließlich keinen verschrecken. Eigentlich hilft mir Yoga immer dabei ruhig zu werden. Aber sogar dafür bin ich die letzten Tage zu nervös.

Inspiration von einem Notizbuch

Und da kreuzte gestern dieses Notizbuch meinen Weg. Ich habe den Satz gelesen: „Trust The Magic Of New Beginnings.“  Er hat mich genauso gepackt, wie der von Hermann Hesse. Aber die Botschaft geht noch ein Stück darüber hinaus. Denn sie vermittelt, diese Energie nicht nur wahrzunehmen, die in einem Neubeginn steckt, sondern auf sie zu vertrauen. Und auch bei Herman Hesse geht das Gedicht noch weiter „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“ Denn ein Neuanfang ist gleichzeitig auch immer ein Abschied.

Und in diesem Sinne werde ich nun tief durchatmen und versuchen diesen ganzen Enthusiasmus wieder zu spüren, den ich schon seit einem halben Jahr in mir trage. Ihn wieder so zu spüren, wie zu Anfang, als ich begonnen habe, das Buch zu schreiben. Denn der zweite Teil meiner Intension beginnt ja jetzt erst: Ich will euch unterhalten, berühren und manchmal vielleicht auch zum Nachdenken anregen. Und ich hoffe sehr, dass ihr diese Reise mit mir gemeinsam geht.