Kolibrifarben

Klappentext

Komm mit auf einen aufregenden Trip durch Europa, der Laura nach einem Schicksalsschlag zurück in die Welt der Kolibrifarben führt! 

Zwei Jahre ist es her, dass Laura ihren Mann durch einen Unfall verloren hat. Seitdem sieht sie ihr Leben grau in grau. Doch ihr bester Freund, der Rockstar Cosmo, möchte das ändern. Er überredet sie, ihn auf die Europa-Tournee seiner Band zu begleiten: Seine „Mission Kolibrifarben“ soll Laura endlich wieder zum Lächeln zu bringen. Tatsächlich kehren auf der Reise die Farben nach und nach in ihr Leben zurück – und nicht nur das, auch eine neue Liebe hält Einzug …

Band 2 der Kolibri-Reihe

Jeder Band der vierteiligen Kolibri-Reihe ist ein in sich abgeschlossener Roman. Trotzdem empfiehlt es sich, die Reihenfolge einzuhalten. Zu Band 1: Kolibriherzschlag.



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Auszug Kapitel 1

„Wir werden diesen Tag auch irgendwie überstehen, oder was denkt ihr? Ich meine, was bedeutet es schon, 40 zu werden, gegenüber allem, was wir bisher erlebt haben? Das ist doch eigentlich ein Klacks.“ Ich prostete den Kranichen auf dem Kimono-Morgenmantel mit dem Weinglas in mei­ner Hand zu. Sie waren meine einzige Gesellschaft. Ich hatte die Kraniche morgens beim Überziehen des Mantels schon immer begrüßt, aber in letzter Zeit waren sie so etwas wie meine Hauptansprechpartner geworden.

Ja, ganz genau, das hört sich ziemlich traurig an. Allerdings. Was Trauer ist, weiß ich seit zwei Jahren nur zu gut. Seit die Polizisten und die Frau vom Roten Kreuz mir mit nur zwei Sätzen den Boden unter den Füßen weggezogen hatten. Ach, was er­zäh­le ich? Weggezogen? Weggerissen. Wegge­bombt. Ver­nich­tet.

Nur zwei verdammte Sätze: „Frau Glück, es geht um ihren Mann Jasper. Er ist vor zwei Stunden bei einem Ver­kehrsunfall gestorben.“

Eine Unachtsamkeit. Eine nasse Fahrbahn. Ein zu lan­ger Bremsweg. Ein Leben ausgelöscht.

Ich nahm einen großen Schluck Wein. Dann stellte ich das Glas auf dem kleinen Beistelltisch ab, den Jasper und ich zusammen in einem Antiquitätenladen in Amsterdam entdeckt hatten. Ich schluckte. Alles in dieser Wohnung erinnerte mich an ihn. Immer und immer wieder. Manchmal tröstete es mich, weil es mir den Eindruck vermittelte, ihn immer noch irgendwie bei mir zu haben. Aber mittlerweile erdrückten mich diese Erinnerungen zusehends. Sobald ich dieses Gefühl zuließ, kamen sofort Gewissensbisse hinzu: So sollte ich nicht über meinen verstorbenen Mann denken oder über Dinge, die wir gemeinsam angeschafft hatten.

Ich zog die Beine auf die Couch und ließ mich nach hinten sinken. Dann nahm ich die Fernbedienung und drückte unmotiviert auf den Startknopf. Ablenkung. Immer wieder Ablenkung. Nur nicht zu viel nachdenken. Nur nicht erneut in dieses Loch fallen. Nur nicht ständig um dasselbe Thema kreisen – Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat.

Das Leben war für mich immer wundervoll gewesen. Farbenprächtig. Jetzt gab es nur noch grau. In mir war alles grau und um mich herum ebenfalls. Eine Aneinander­reihung von Grautönen. Mausgrau. Eisengrau. Betongrau. Kieselgrau. Anthrazitgrau. Und in Wellen kam immer wie­der Schwarz mit dazu. Manche Tage waren komplett in die finsterste aller Farben beziehungsweise Nichtfarben gehüllt. Nachtschwarz. Düster. Lichtlos.

Aber wie konnte ich mein Leben einfach so weiterleben, wenn er es nicht mehr konnte? Wie konnte ich wieder lachen und fröhlich sein, wenn er doch niemals mehr würde lachen können. Wie konnte ich weitermachen, wenn ich doch von nun an keinen Mitstreiter mehr haben würde. Niemanden mehr, der mein Leben mit mir teilte.

Wütend schnappte ich mir eines der Couchkissen und drückte es auf mein Gesicht. Dann schrie ich meine ganze Wut hinein. Erneut war ich in diese gemeine Falle getappt. Trauer war hinterlistig. Wie ein Wolf lag sie auf der Lauer. An manchen Tagen fühlte ich mich fast wieder normal. Und zack – schon kam das Raubtier aus seiner Ecke geschnellt und grub die Zähne in mein blankes Fleisch.

Ich schleuderte das Kissen weg und stand auf. Rastlos wanderte ich im Zimmer umher und versuchte krampfhaft, meine Gedanken wieder unter Kontrolle zu bringen. In den letzten Wochen hatte ich wenige Rückfälle gehabt. Aber heute war mein 40. Geburtstag und da kam es wieder hoch.

Vielleicht hätte ich doch nicht alle strikt anweisen sollen, sich bloß nicht bei mir zu melden. Ich hatte keine Glück­wünsche gewollt, keine Geschenke und um Himmels willen keine Feier. Mir war schon lange nicht mehr zum Feiern zu Mute. Und diese Zahl, die mich nur zu deutlich daran erinnerte, dass ich von nun an alleine alt werden würde, die wollte ich garantiert nicht feiern. Ich hatte fest vorgehabt diesen Tag zu ignorieren. Leider fiel mein Geburtstag auf einen Sonntag, so dass ich nicht in der Arbeit war, sondern alleine zuhause saß. Okay, nicht ganz alleine. Die Kraniche und ich saßen zuhause. Vielleicht war es ein Fehler, mich hier einzuigeln.


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